Geschichtswäsche

Im Rahmen der Fastenzeit 2016 begann die Arbeit an einem grossen Wandbild, das den Versuch unternimmt einen erweiterten Blick auf die Stationen des Kreuzweges zu legen.

Das übergeordnete Thema für die Fastenaktion damals lautete „Tschick und Politik“(Tschick steht allgemein für Suchtverhalten), wobei beide Begriffe in der Arbeit  „Geschichtswäsche“  zu einer Art Bildtteppich verwoben werden

GESCHICHTSWÄSCHE, 2016-2019
Bleistift und Acryl auf Kirchenwand
(530 x 320 cm)

Der Kreuzweg mit seinem Fokus auf die Verurteilung,Verhöhnung und Hinrichtung Jesu wird mit tagesaktuellen Ergeignissen der Weltpolitik in Verbindung gebracht.

Die Darstellungen der Verurteilung Jesu in Bild 1 des Kreuzweges mit der Szene von Pilatus, der seine Hände in Unschuld wäscht gehen im Wandbild nahtlos in Darstellungen von politischer Feigheit im heutigen Afrika über, die symbolhaft vom historischen Kontext in die Gegenwart überleiten.

Bedeutende politische Ereignisse der Gegenwart, wie der Besuch des iranischen Präsidenten Hasan Ruhani 2016 im Vatikan, bei der nackte Statuen aus Pietätsgründen verhüllt wurden entwickeln sich gestalterisch aus dem Bild 1 des Kreuzweges und leiten dieses auf das Wandgemälde über.

Im unteren rechten Bildtteil des Wandgemäldes befindet sich eine Art Spiegelung der Sitzbänke und des Bodens der Andräkirche, die zu einem Zeltverschlag ausgebaut, eine temporäre Flüchtlingsbehausung darstellen, als Zitat für das aktuelle Vorkommnis aus dem Jahre 2013 in der Votivkirche in Wien.  Damals suchten Flüchtlinge die Kirche als Zufluchtsort auf nutzten sie aber auch als Ort politischer Agitation.

In der rechten Bildmitte stehen zwei berittene britische Polizisten vor der Darstellung des Marc Aurel in Rom sowie ein Kameramann, der die Verurteilung Jesu scheinbar filmt. Die mediale Aufmerksamkeit und die Ordnungshüter, die uns ständig gesichert an grausamen Spektakeln teil haben lassen stehen für den gegenwärtigen Umgang mit schrecklichen Ereignissen.

Bild 2 des Kreuzweges (Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern) ist abgehängt.

Die ursprüngliche Idee (zusammen mit Hermann Glettler konzipiert) ging davon aus  ein oder zwei Kreuzwegbilder während der Fastenzeit abzuhängen und auf den Boden zu stellen, um das dahinterliegende Wandbild temporär stärker hervorzuheben und die Kreuzwegbilder nach Ostern wieder aufzuhängen.

In der unteren Bildmitte ist ein AIRBNB Zimmer in den Pariser Katakomben zu sehen, das 2015 für mediales Aufsehen sorgte und zum zweiten Themenkreis  Sucht und Exzess überleitet.

Links davon steht ein Drogendealer, der in einem verdeckten Telefonat Drogengeschäfte abwickelt. Hinter einer Druckerei für Kreuzwegdevotionalien verbirgt sich ein Drogenlabor.

Über dem Bild 3 des Kreuzweges (Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz) schwebt ein Transportflugzeug, das Schachteln mit Kreuzbemalung abwirft. Heilbringendes könnte sich darin befinden, aber auch Bomben könnten sich darin verbergen.  Unter dem Symbol des Kreuzes agierten und agieren immer wieder Menschen sehr unchristlich. Die changierenden Metallic Farben dieses Flugzeuges sollen die Ambivalenz der mächtigen Maschine überhöhen.