shifting baselines franz konrad, silvia stecher: „dinosaurs in paradise“

„The United States, under the Trump administration, will continue to be the cleanest and most environmentally friendly country on Earth. We’ll be the cleanest. We’re going to have the cleanest air. We’re going to have the cleanest water. We will be environmentally friendly, but we’re not going to put our businesses out of work and we’re not going to lose our jobs. We’re going to grow; we’re going to grow rapidly.“ [Donald Trump, Rede zum Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen]

über produktion. unter ernährung. über forderung. unter schiebung. national borders über trumpfen planetary boundaries: während grenzen zur trennung hoch schießen, werden global vereinende grenz werte verneint. bei vier von neun formulierten kriterien für irreversiblen ökologischen wandel leuchten die warnstufen rot – klimawandel, biodiversität, stickstoffkreislauf und landnutzung. derlei konträre diskursive realitäts beschaffungs maßnahmen im durch lauf erhitzer von macht und ihrer ökologischen und ökonomischen materialisation bilden motivisch grund und gerüst dieser piktoralen installation, die kein vorbei, sondern ein hinein gehen erfordert. die einen verschlingt und überfordert. ihre form mit reminiszenzen an wurm loch und höhle schafft gleich zeitigkeiten und wechsel spiele, in der das handeln von waren auf das aus handeln von wissen über um welt veränderungen trifft.

die „baseline“ dieser in bildlich transformierte sprachliche „klima­zonen“ wie investorenwald, toxischer himmel, kapitalschutzgebiet oder marschfeld segmentierten acrylmalerei auf leinwand bilden verweise auf die ära der dinosaurier, die als popkulturelle ikonen zugleich exemplarisch für klimatisch bedingtes vergehen stehen. wie in einer zeitspirale schiebt sich hier das zum vergleichswert gemachte erdzeitalter des meosozoikums in das anthropozän und das kapitalozän und erzeugt einen informationskosmos zwischen klimawandel und
klimahandel – von den theorien über das aussterben der ­dinosaurier im zuge einer klimaveränderung bis zum internationalen börsen­handel mit co2-zertifikaten an der climate exchange.

die ­installation lässt narrationen explodieren und unterzieht sie in ihrer ­wimmelnden gleichzeitigkeit einem „shift“ ins absurde, wobei
die szenarien ­zwischen schriller utopie und schriller dystopie zu fragen ­verleiten können wie: welche maßstäbe lassen sich in der überflut von infor­­ma­tion zur bewertung von „fakes“ und „facts“ anlegen? und welche wirklichkeiten erzeugt die logik des kapitals in natur und kultur?

[text, storyboard: silvia stecher, idee, konzept: silvia stecher/franz konrad, ­umsetzung: franz konrad]